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„Jedes schöne Foto braucht Zeit“ – der Fotograf Henrik Pfeifer im Interview

Erstellt am 31. August 2012 von 1 Kommentar

Der Autodidakt Henrik Pfeifer lebt und fotografiert in Berlin. Er arbeitet ausschließlich mit Umgebungslicht und bekannt ist er für seine Porträts von Schauspielern. Seine Referenzen sind darüber hinaus ebenfalls beeindruckend und umfassen neben Agenturen bekannte Namen aus Print & TV. Für uns stand er im Interview Rede und Antwort.

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Meine Eltern haben immer schon viel fotografiert, und ich habe mit 6 Jahren eine kleine Agfamatic 50 bekommen. Ich habe mich daneben gestellt und das fotografiert, was mein Vater fotografiert hat. Mit 14 habe ich dann meine erste Spiegelreflexkamera mit meinem Konfirmationsgeld gekauft und angefangen, mit meiner gleichaltrigen Cousine und deren Freundinnen „Sessions“ auf dem Garagenhof zu machen. Ich kam mir vor wie ein Starfotograf und die Mädchen wie die Supermodels. Das hat uns gefallen.

Du fotografierst viele Schauspieler. Wie hat sich das ergeben? Wie bist Du dazu gekommen?

1998 bin ich nach Berlin gegangen und war mit einer Schauspielerin zusammen. Sie brauchte neue Fotos für ihre Agentur, und ich habe das einfach mal ausprobiert. Die Bilder kamen gut an und so langsam aber sicher ist das ein Selbstläufer geworden …

Deine Porträts sehen sehr natürlich aus und im positiven Sinne einfach. Wie viel Arbeit steckt tatsächlich hinter einer solchen Aufnahme? Gib uns doch bitte einen kleinen Einblick in ein typisches Shooting.

Sie sind auch sehr einfach, wenn man weiß was man tut 😉 … In jedem Fall braucht man Zeit. Man kann nicht mal eben ein schönes Foto machen. Natürlich gibt es ab und an mal Glückstreffer, aber im Großen und Ganzen braucht es einfach Zeit. Zeit, um das Vertrauen zu dem Fotografierten aufzubauen und eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich das Modell wohl fühlt …

Nach welchen Kriterien suchst Du die Location für Deine Porträts aus? Was ist Dir dabei besonders wichtig?

Ich fotografiere ausschliesslich mit Tageslicht. Wichtig sind also große Fenster und am besten sehr viele davon.

Welche Fotografen haben Dich inspiriert oder inspirieren Dich noch immer?

Sante D’Orazio hat ein wunderschönes Buch fotografiert – „A Private View„. Das inspiriert mich bis heute.

Mit welcher Ausrüstung fotografierst Du?

Meine Portraits fotografiere ich ausschliesslich mit einer Pentax 6×7 und einer 105mm Festbrennweite. Viele meiner Aktfotos sind mit einer alten Canon A1 und einer Leica R4 fotografiert. Mein Buch „Room 308“ habe ich fast ausschliesslich mit einer Canon 400D mit einer 50mm Festbrennweite fotografiert. Man braucht nicht unbedingt die teuersten Kameras, um gute Fotos zu machen. Erst vor ein paar Tagen habe ich mir eine 5D Mark II gekauft.

Du selbst führst auch Workshops durch. Erzähl uns doch ein bisschen was dazu. Wo liegen Schwerpunkte? Was möchtest Du vermitteln?

Eigentlich könnte ich meine Workshops auch „Guckworkshops“ nennen. Denn mir geht es darum ein Auge für die Dinge zu bekommen. Die Sinne öffnen und wahrnehmen. Eben gucken und das mitbekommen, was passiert: Wie entwickelt man Posen und eine Situation? Wie arbeite ich mit dem Modell? Wie gehe ich mit dem Licht um? All das zeige ich und gebe Tips und Denkanstöße. Mir geht es nicht darum, dass die Workshopteilnehmer nach dem Workshop die gleichen Fotos wie ich machen, sondern, dass sie in ihrer Kreativität motiviert werden und ausprobieren und sich trauen, irgendwelche Regeln, die sie irgendwo aufgeschnappt haben über Bord werfen.

Im Vergleich zur Digitalfotografie gilt die analoge Fotografie als eine Art „Ritterschlag“, als Auszeichnung für „gutes“ Fotografieren. Ist da etwas Wahres dran?

Das sehe ich nicht so! Letzten Endes kann man auch mit einem iPhone tolle Fotos machen. Ich persönliche Empfinde allerdings, dass das analoge Fotografieren eine andere Wertigkeit hat. Wenn ich einen Rollfilm einlege und nach 10 Fotos schon wieder den Film wechseln muss, verführt mich das nicht zum Losknipsen, sondern zum Konzentrierten, bewussten Arbeiten. Ich mache in einem Shooting 100 Fotos und habe am Ende 80 bis 90 gute und sehr unterschiedliche Fotos. Digital würde ich in der gleichen Zeit vielleicht 500 Fotos schiessen, aber sehr viel mehr sehr ähnliche Bilder machen und auch sehr viel öfter auslösen, wenn ich selbst noch gar nicht so überzeugt von dem Moment bin.

Was kannst Du angehenden Fotografen mit auf den Weg geben? Einen Tipp?

Es gibt kein Richtig und Falsch. Lass einfach dein Herz entscheiden!

Zum Abschluss noch ein kleiner Ausblick: Welche anderen Projekte hast Du realisiert, woran arbeitest Du im Moment?

2009 habe ich mein Buch „Room 308“ veröffentlicht. Das kann übrigens signiert direkt bei mir über meine Webseite kaufen 😉 

Seit 2010 stelle ich meine TESAbilder aus. Ich habe noch kein genaues Datum, aber es wird bald wieder eine Ausstellung geben.

Galerie Henrik Pfeifer

Henrik Pfeifer (* 1968 in Remscheid) ist ein deutscher Fotograf, Regisseur und Drehbuchautor. Henrik arbeitet vor allem als Fotograf für Schauspieler- und Aktportraits, aber auch in der Werbung. Er zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er ausschließlich mit natürlichem Licht fotografiert. Seine Referenzen umfassen große Namen wie z.B. Levis, Adidas, Playboy oder Jil Sander. Neben der Fotografie dreht Henrik auch Filme. Für sein Erstling „Emilia – Der Film“ nach Lessings Klassiker Emilia Galotti erntete er höchstes Kritikerlob. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Category : interview

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