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„Emotionen für die Ewigkeit festhalten“ – Fotografin Isabel Großer im Gespräch

Erstellt am 1. Oktober 2012 von 2 Kommentare

Isabel Großer (*1981) lebt und arbeitet als selbständige Fotografin in Köln. Vor mehr als 15 Jahren entdeckte sie mit einer digitalen Kamera ihre Leidenschaft für die Fotografie. Nach einigen erfolgreichen Wettbewerbsteilnahmen und anderen Arbeiten als Fotografin gelang ihr 2009 erfolgreich der Sprung in die Selbstständigkeit. Seitdem arbeitet sie vornehmlich im Bereich Porträt und auf Hochzeiten.

Hallo Isabel. Erstmal danke, dass Du unsere Intervieweinladung hier auf der Photokina angenommen hast und dir Zeit für uns nimmst. Wie würdest Du Dich selbst beschreiben? Stell Dich doch kurz den Lesern vor.

Mein Name ist Isabel Großer, ich bin 31 Jahre alt und wohne in der Nähe von Köln. Ich bin Fotogräfin aus Leidenschaft. Menschen und Emotionen für die Ewigkeit festzuhalten ist eine spannende Herausforderung. Mein Steckenpferd ist die Hochzeitsfotografie, auf die ich mich auch spezialisiert habe.

Das heißt, Dein Leben dreht sich rund um die Hochzeitspaare. Wie bist Du dazu gekommen? Was hast Du davor gemacht und wie kamst Du drauf, Hochzeiten zu fotografieren? Erzähl mal…

Das ist eine ziemlich verrückte Geschichte. Ich war in meiner Jugend ein riesen großer Kelly Family Fan. Mein Alltag bestand – zumindest in den Ferien – daraus, Fotos der Bandmitglieder zu machen. Egal ob im Alltag oder auf Konzerten. Das war meine absolute Leidenschaft. Das Fotografieren hat sich dann immer mehr weiterentwickelt. Erst habe ich kleinere Projekte geschossen: Fotos von Babys, die im Freundeskreis nach und nach auf die Welt gekommen sind oder Fotoshootings mit Freunden. Meine Ausrüstung habe ich dann nach und nach aufgestockt, bis ich tatsächlich irgendwann mutig genug war und den Entschluss getroffen habe, das Ganze professionell aufzuziehen und mich selbstständig zu machen! Ich habe ein Gewerbe angemeldet, meinen Job als Verkäuferin an den Nagel gehangen und mich voll und ganz auf die Fotografie konzentriert.

Wie hast Du das Fotografieren erlernt?

Ich habe Fotografie nie an einer FH oder einer Uni studiert. Mein ganzes Können und Wissen basiert auf viel Erfahrung, Ausprobieren, Testen, Machen. Ich habe mir mit der Zeit natürlich auch viele Online Workshops angeschaut und auch immer geguckt, was die Anderen so machen, um nicht auf der Stelle stehen zu bleiben. Die Fotografie war schon immer mein absolutes Hobby – ich habe quasi alle Informationen in mich aufgesaugt!

Was hat Dich selbst persönlich daran fasziniert, Hochzeiten zu fotografieren – was hat es so wertvoll gemacht, Deinen Job an den Nagel zu hängen? So was macht man ja auch nicht alle Tage.

Das Schöne an einer Hochzeit ist diese absolute Vielfalt. Je nachdem, wie umfangreich ein Job gebucht wird, fängt das Ganze ja schon relativ früh an. Das Brautpaar wird fertig gemacht, die Braut wird geschminkt, schlüpft in ihr Kleid, die Trauzeugen, Eltern, Familie sind vor Ort. Das ist immer eine ganz besondere Atmosphäre, die natürlich jedes Mal auch ein wenig anders ist. Da kochen so viele Emotionen auf. Dann die Ankunft der Braut, die Blumen, die Deko, die Gäste, DIE TRAUUNG, die Ringe, die Örtlichen Begebenheiten. Da gibt es so viel einzufangen. Gruppenbilder, Porträts, Sektempfang, die Feier. Und natürlich das Fotoshotting mit dem Brautpaar. Der Kreativität sind an so einem Tag keine Grenzen gesetzt!

Wie würdest Du Dich selbst beschreiben: Eher offensiv und nah dran an den Menschen oder fotografierst Du lieber aus “dem off” und zurückhaltend? Wahrscheinlich ein wenig von beidem, je nach Situation, oder?

Ich finde es immer besonders spannend, wenn ich eher etwas aus der Ferne fotografieren kann. So kann man den wirklichen Moment einfangen und es gibt keine künstlichen und gestellten Bilder. Die Menschen sehen auf solchen Bildern immer anders aus. Gerade, wenn das Brautpaar sich einen Moment unbeobachtet fühlt und sich zärtlich in die Augen sieht oder eine Gruppe Menschen sich einfach nur unterhält.

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Bleiben wir mal bei der Hochzeit: Wie viel Energie steckst Du in die Vorbereitung auf die Hochzeit und was ist für Dich die größte fotografische Herausforderung in solchen Momenten?

In der Regel gibt es immer ein Vorgespräch mit dem Brautpaar. Mir ist es wichtig, dass ich die Menschen vorab zumindest grob einschätzen kann. Oft sagen sie mir auch schon direkt, was genau sie sich vorstellen. Wir sprechen über den geplanten Ablauf, damit ich weiß, was mich erwartet. Aber natürlich gibt es keine Routine. Ich bin vor jedem Job auch immer ein wenig nervös. Man weiß ja nie, was kommt und man möchte natürlich mindestens 100% leisten. Besonders der Moment der Trauung ist mit am wichtigsten. Die Ringe, das JA-sagen, der Kuss. Je nachdem, wie die Kirche geschnitten ist, kann es da auch mal eng werden. Und klar macht man sich schon im Vorfeld Gedanken bezüglich des Wetters. Regen ist immer ein wenig anstrengend und das Licht ist auch immer eine Herausforderung. Einiges kann man zwar im Nachhinein am Laptop nachbessern, aber das Grundgerüst muss stehen!

Wann fotografierst Du am Liebsten? Welche Teile einer Hochzeit genießt Du am meisten?

Ich finde die Vorbereitungen am spannendsten. Hier passiert so viel und die Atmosphäre ist auch immer noch mal einen Tacken entspannter. Da geht es noch nicht ums Eingemachte. Am meisten schwitze ich während der Trauung – denn hier kann Nichts wiederholt werden. Das JA, die Ringe, der Kuss – das passiert nur einmal!

Wie viele Fotos machst Du im Schnitt bei einem vollen Hochzeitstag? Was mich noch interessiert: Bist Du oft am Auslöser, um eine hohe Trefferquote zu erreichen (beispielsweise beim Einzug des Paares, Ringübergabe, Trauung usw.) oder drückst Du eher selten ab?

Eine Hochzeit ist ein absolut einmaliges Ereignis! Da darf man als Fotograf auf keinen Fall den einen richtig wichtigen Moment verpassen, sonst ist der Ärger vorprogrammiert. Daher mache ich an einem Tag schon mal 1500 – 2000 Bilder! Zum Glück ist es digital kein Kostenproblem. Wie oft ich abdrücke hängt aber immer von der jeweiligen Situation ab. Die meisten Bilder entstehen dann, wenn es hektisch wird und die Action losgeht! Da lassen die Zustände keine Zeit für Komposition und Arrangement. Wenn das Brautpaar aus der Kirche kommt, dann machen sie das nur einmal. Daher muss ich in solchen Situationen draufhalten, um dem Kunden Bilder zu liefern. Das ist natürlich trotzdem kein wildes Geknipse, und in den Jahren habe ich auch einiges an Erfahrung gesammelt, was mir in solchen Situationen zu Gute kommt. Die andere Seite sind dann die ruhigen, intensiven Momente wie Porträts oder arrangierte Bilder mit dem Brautpaar. Wenn es ruhig ist, ich mich konzentrieren kann und ich mich mit dem Motiv auseinandersetzen kann, reichen dann auch deutlich weniger Schüsse für das perfekte Bild.

Welche Musik hörst Du zum Bearbeiten der Bilder? Oder bist Du da eher Minimalist und arbeitest in der Stille?

Da höre ich bevorzugt ruhige, romantische und melancholische Musik. Dadurch komme ich noch mal in diese „Hochzeitsstimmung“ 😉

Wie sind nun Deine Pläne für die nächsten Monate? Hochzeiten finden ja eher vermehrt eher im Frühling statt, oder?

Ja, es ist in der Tat schon eher so, dass gerade im Frühjahr und Sommer die meisten Hochzeiten im Jahr stattfinden. Aber Menschen heiraten zum Glück auch im Winter. Neben der Hochzeitsfotografie mache ich aber vermehrt auch Emotion-Shootings und Portraits. Mein Leistungsangebot kann man sich bei Interesse einfach mal auf meiner Website unter www.grosser-photography.de anschauen.

Erzähl uns zum Abschluss doch etwas von Deiner Ausrüstung.

Gerne. Derzeit benutze ich als Kamera eine Canon 550D. An Objektiven kommen hauptsächlich drei zum Einsatz. Mein Lieblingsobjektiv ist das Canon 70-200mm! Das setze ich am liebsten auf Hochzeiten ein. Zum einen hat es eine große Offenblende, was sich bei Porträts sehr gut macht, zum anderen kann ich mich durch die lange Brennweite bei der Feierlichkeit im Hintergrund halten. Das ist mir besonders wichtig, weil ich als Fotografin nicht stören möchte. So kann ich ehrliche Emotionen und besondere Momente aus der Distanz festhalten.

Für Weitwinkelaufnahmen benutze ich das Tokina 11-16mm ATX Pro. Dieses Weitwinkel ist ebenfalls sehr lichtstark. Durch den extremen Weitwinkel lassen sich ganz besondere Fotos schießen, bei denen der Himmel oder die Landschaft sehr schön mit ins Bild kommen. Und last but not least noch mein 1.4 Standardobjektiv von Canon. Ein echter Allrounder für alle Situationen. Durch den kleineren Sensor der 550D beträgt die Brennweite 75mm, also absolut ideal auch für Poträts.

Vielen Dank für diesen Blick in Deine Fototasche und das sehr nette Gespräch!

Category : interview

2 Responses to “„Emotionen für die Ewigkeit festhalten“ – Fotografin Isabel Großer im Gespräch”

  1. Berger,Christian says:

    Liebe Isabel,
    durch FB kenne ich Dich schon lange und weiss,dass Du nicht nur eine tolle Fotogräfin bist,sondern auch ein Mensch, der seine Meinung offen sagt.
    Daher bin ich auch stolz auf Dich,auch daher,weil ich weiss,wo Deine Wurzeln als Kind und sicherlich auch als Jugendliche sind.
    Privat und beruflich wünsche ich Dir alles beste dieser Welt.
    Viele liebe Grüsse,
    Christian Berger, aus Zschopau.

  2. Tom says:

    2000 Fotos auf einer Hochzeit…. Da findet man dann auch bei Hobbyfotografen das eine oder andere taugliche Bild. Und den Rest macht dann Photoshop. 🙂

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