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„You’ve got to be in photo-mode“ – Unterwasserfotograf Martin Edge im Interview

Erstellt am 29. Oktober 2012 von 6 Kommentare

Martin EggeMartin Edge (*1955 in Staffordshire, UK) begann das Tauchen nachdem er im Jahre 1977 an die Küste bei Dorset gezogen war. Während seiner Reisen ans Mittelmeer fing er an, Fotos unter Wasser zu machen. Bald wurde aus dem Interesse eine Leidenschaft. Ohne fotografische Ausbildung oder fotografischen Hintergrund studierte Martin den Stil der UW-Fotografen, die er bewunderte um herauszufinden, was ihn an ihren Arbeiten so faszinierte. Mehr als 20 Jahre danach ist Martin weltweit bekannt – nicht nur für seine Fotos, sondern vor allem als Lehrer und Autor des Buches „The Underwater Photographer“. Martin gilt heute als einer der einflussreichsten Unterwasserfotografen. Da ich selbst Taucher und Amateuer-Fotograf bin, ist es für mich eine besondere Freude, dass Martin kurz vor einem 2-wöchigen Workshop im Sudan noch die Zeit für ein ausführliches Interview findet.

Martin, heutzutage kann jeder zu erschwinglichen Preisen ein Unterwassergehäuse für seine technologisch extrem fortschrittliche, vollautomatische Kompaktkamera kaufen und sofort in die Unterwasserfotografie einsteigen. Wärst Du der Fotograf der Du bist, wenn Du vor 20 Jahren Zugang zu heute erhältlicher Ausrüstung gehabt hättest?

Meine Antwort darauf lautet “Nein”. In den 1970er und 80er Jahren gabe es nur sehr wenig Ausrüstung zur Auswahl. Besonders populär waren die Nikonos-3-Kameras.  Wenn man es sich leisten konnte, gab es auch Spiegelreflexkameras. Gehäuse für diese SLRs waren jedoch rar und sehr teuer. Die Nikonos-Kameras kamen mit einer klaren Anleitung wie man mit der UW-Fotografie anfängt. Diese Anleitung hat mir damals sehr geholfen.

Zu der Zeit habe ich auch eine Menge Hilfe durch die Mitglieder der BSoUP (British Society of Underwater Photographers) bekommen und zweifellos war es diese großzügige Unterstützung in meinen Anfangstagen, die mich an den Punkt gebracht hat, an dem ich jetzt bin. Ich bin zufrieden, dass ich so alt bin wie ich bin und das ich in den späten 70ern angefangen habe. Beantwortet das deine Frage?

Sunset surge Red Sea © Martin Edge
Ja, und zum Teil auch die Folgende. Ich frage sie trotzdem für den Fall, dass du noch etwas hinzufügen möchtest. Wie war die Situation damals in den 1980ern für jemanden mit einem Interesse an Unterwasserfotografie? Die Infrastrastruktur für Taucher war ja noch nicht so weit entwickelt wie heute und die Ausrüstung war rar und teuer.

Ja, das war sie. Die Anschaffung vernünftiger Ausrüstung damals sehr, sehr teuer. Ich borgte mir damals £500 von meiner Mutter um mir davon eine gebrauchte Nikonos 15mm Weitwinkel zu kaufen. In den 80ern war das vergleichbar mit dem Kauf eines Autos.

Aber das Tauchen war genauso einfach wie heute. Es war sogar billiger. Und da viele der bekannten Riffs wie z.B. Ras Mohammed und ähnliche schwieriger zu erreichen waren, war das Fotografieren vor Ort deutlich „produktiver“: Da die Riffe noch nicht so stark betaucht wurden kursierten noch nicht so viele Bilder von diesen Orten. Wenn man damals also die Möglichkeit hatte, am Ras Mohammed zu fotografieren und dabei noch ein halbwegs brauchbarer Fotograf war, dann waren diese Bilder bereits gut genug, um veröffentlicht zu werden oder um Wettbewerbe zu gewinnen. Wenn man es also schaffte, die Einstiegshürden zu überwinden, konnte man verhältnismäßig leicht im eigenen Land Bekanntheit erlangen.

Im digitalen Zeitalter gilt die analoge Fotografie manchmal als Aushängeschild für Qualitätsfotografie. Ist das deiner Meinung nach so?

Nein, das ist sie in meinen Augen nicht. Ich glaube sogar, dass die Qualität der aktuellen Unterwasserbilder weit über dem Niveau der Bilder aus den 70ern, 80ern und 90ern liegt! Man muss sich nur einige der Bildbände aus der Zeit ansehen, um zu sehen, wie die Qualität der Bilder über die letzten 10 Jahre gereift ist. Aber ja, es gibt Leute, die hunderte von Bildern knipsen, weil sie es können. Ich ermutige diese Leute dazu, weiterhin viele Bilder zu machen, dabei aber darauf zu achten, dass sie Aufnahmen von Dingen machen, von denen sie das Gefühl haben, es könnte auch ein gutes Bild dabei herauskommen. Sie sollen nicht einfach alles knipsen, was sie sehen. Trotzdem denke ich, dass die Qualität der Bilder heute besser ist als in der Film-Ära.. Einige der Bilder von heute sind absolut beeindruckend verglichen mit den Besten derer, die wir in den 80ern gesehen haben.

© Martin Edge
Was ist der Hauptunterschied zwischen Fotografie unter Wasser und an Land?

Für Unterwasserfotografie bedarf es einer völlig anderen Herangehensweise als an Land. Ich behandle diesen Unterschied ausführlich in meinem Buch und kann ihn im Rahmen dieses Interviews nur umreißen. Wenn Fotografen an Land ihre Bilder machen, dann müssen sie Blende und Verschlusszeit richtig einstellen, um die richtige Belichtung zu bekommen und damit das Bild gut aussieht. Unter Wasser aber kann man blaues Wasser komplett unterbelichten, so dass es schwarz wird und das Motiv hervorsticht. Wenn man ein Bild über Wasser komplett unterbelichtet, ist es zu dunkel. Wenn man es ein paar Blenden überbelichtet, ist es zu hell. Mit dieser Erfahrung gehen „Landfotografen“ tauchen. Sie denken, alles müsse so aussehen, wie es ihre Augen sehen. Aber das ist nicht der Fall. Ich bin der Überzeugung, dass die meisten Kameraeinstellungen unter Wasser nicht mit denen an Land vergleichbar sind.

Meine Einzelkurse sind wahrscheinlich deshalb so erfolgreich, weil ich im Rahmen eines eintägigen Kurses ausführlich auf genau diesen Unterschied eingehe. Deshalb sage ich auch, dass ich jemanden mit solch einem Kurs um fünf Jahre weiter bringen kann. Ich erkläre ausführlich meine Theorien. Dann haben die Kursteilnehmer die Möglichkeit, das Gehörte im Pool auszuprobieren. Viele sind überrascht, wie einfach das Fotografieren unter Wasser sein kann.

Wie wichtig ist es, richtig Tauchen zu können? Oder anders gefragt: Ist es für einen Fotografen einfacher zu tauchen oder für einen Taucher einfacher zu fotografieren?

Meiner Meinung nach ist leichter für einen Taucher, das Fotografieren unter Wasser zu erlernen als andersherum. Meinen Kursen werden von beiden Typen besucht. Außer etwas Grundlagenwissen über Blende und Verschlusszeit und darüber, wie eine Kamera funktioniert, ist für den Einstieg nicht nötig.. Einen Taucher mit fünf Jahren Taucherfahrung könnte ich wahrscheinlich schneller ausbilden als einen Fotografen mit einem Jahr Erfahrung.


Was waren deine 5 größten Missgeschicke in Bezug auf Unterwasserfotografie?

  1. Unter Wasser fiel mir auf, dass ich vergessen hatte, die Kamera ins Unterwassergehäuse zu setzen. Das Gehäuse war leer.
  2. Der Objektivdeckel auf dem Objektiv ist sicher einer meiner häufigsten Fehler.
  3. Bei manchen Unterwassergehäusen lässt sich der Fokus versehentlich auf „manuell“ stellen. Unter Wasser kann der Wechsel zurück auf zu „auto“ aber sehr schwer sein.
  4. Fehlende Batterien im Blitz.
  5. Anfang diesen Jahres bin ich mal ins Wasser gesprungen und merkte, dass ich die Tauchflasche vergessen hatte.


© Martin Edge
Tauchen spielt offensichtlich eine entscheidende Rolle in der Unterwasserfotografie. Gibt es Kurse, Sonderbrevets oder Übungen, die du Tauchern und Fotografen empfehlen würdest, die in die Materie einsteigen wollen?

Als erstes fällt mir das Tarieren ein (das Herstellen des Gleichgewichts zwischen Absinken und Aufsteigen eines Tauchers, so dass er auf einer bestimmten Tiefe verbleibt. Anm. des Autors). Ein Kurs im Tarieren ist auf jeden Fall hilfreich. Oft kommen Taucher in meine Kurse und sagen, dass ihre Tarierung gut sei. Aber wenn sie dann andere Fotografen sehen stellen sie fest, dass sie mit ihrer Fähigkeit weit hinterherhinken. Das Tarieren intuitiv zu beherrschen ist eine große Hilfe und Erleichterung.

Das ist auch ein Thema, über das ich oft bei Präsentationen und auf Vorträgen spreche. Ein Tauchanfänger muss tauchen, tauchen, tauchen, damit er diesen überwältigenden, wundervollen, initialen Nervenkitzel verliert, den das Atmen unter Wasser auslöst. Erst dann kann er sich entspannen und beim Tauchen voll darauf konzentrieren, gute Unterwasserbilder zu machen. Es gibt Taucher und es gibt Unterwasserfotografen. Man muss sich immer im Klaren darüber sein, was man selbst gerade ist. Es gibt Leute, die ins Wasser gehen, um zu fotografieren. Stattdessen machen sie dann aber einen Tauchgang. So etwas ist auch vollkommen in Ordnung. Aber im Nachhinein ärgern sie sich dafür, keine vernünftigen Bilder gemacht zu haben. Um ansprechende Fotos zu machen, muss man ausschließlich mit dem Verlangen tauchen, Bilder zu machen.

Wahrscheinlich braucht man zwei bis drei Jahre oder 200 Tauchgänge, bis man dort angekommen ist. Ich selbst brauchte etwa fünf Jahre bis mir das Tauchen nicht mehr beim Fotografieren im Weg stand. Man muss dann im Foto-Modus tauchen und sich die mentale Energie für das Fotografieren aufsparen. Darum tauchen Fotografen auch nur sehr flach: Man hat mehr Zeit, weil der Luftverbrauch geringer ist. Das Licht ist besser und man fühlt sich auch sicher. Wir alle konzentrieren uns in 5m Tiefe besser als in 25m.

Der sogenannte Kick beim Tauchen lenkt Leute ab, die gerade mit dem Fotografieren anfangen. Ich ermutige diese Leute dann dazu, erst einmal nur zu tauchen. Denn tauchen und fotografieren lassen sich nicht miteinander vereinbaren.

© Martin Edge
Wenn ich am Ende eines Tauchgangs in flacheren Gewässer, bin stelle ich zumeist selbst fest, dass das Meer in der geringen Tiefe viel fotogener ist als 10 Meter weiter unten.

Ja! Es ist erstaunlich wie oft mir meine Kursbesucher sagen, dass sie ihre besten Bilder am Ende des Tauchtags direkt unter dem Boot machen. Sie denken, das läge daran, dass sie dann ihr Auge auf gute Motive eingestimmt hätten. Aber das ist nicht der Fall. Es liegt vor allem daran, dass der letzte Tauchgang meist sehr flach und direkt unter dem Boot ist. Man geht ins Wasser und weiß, was einen erwartet. Man ist entspannt. In diesem Zustand steigt dann die Konzentration und man macht die besten Bilder des Tages.

Ich bin vorher schon mal auf das Equipment eingegangen. Was für eine Ausrüstung benutzt du im Moment für deine Arbeiten?

Ich habe schon immer Nikon-Kameras benutzt. Im Moment benutze ich die D7000 mit einem kleineren Sensor, also eine DX-Kamera. Erst kürzlich bin ich auf ein Gehäuse von Nauticam umgestiegen. Das Nauticam hat ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Es hat ein sehr gutes Design und ich bin mir sicher, dass sie noch viele Jahre am Markt sein werden. Jedes neue Modell übertrifft seinen Vorgänger. Viele Jahre habe ich Gehäuse von Subal verwendet, aber durch das Nauticam hat sich nach all den Jahren meine Fotografie verbessert. Besonders überzeugt mich seine Ergonomie. Was das Gehäuse angeht, bin ich sehr enthusiastisch, aber ich will auf keinen Fall andere Unterwassergehäuse schlecht machen. Ich bin einfach nur beeindruckt von dem Design der Nauticam Produkte.

Umbria Wreck Sudan © Martin Edge
Welche Objektive benutzt du zu welchem Zweck?

Ich benutze ein Tokina 10-17mm. Es ist ein großartiges Weitwinkelobjektiv und ich mag es sehr. Dazu benutze ich noch ein Nikon 40mm Makro, ein sehr preiswertes Objektiv, das vor ca. einem Jahr auf den Markt kam. Ich benutze es vor allem, wenn ich Fische fotografiere. Außerdem habe ich noch das 60mm und das 105mm Makro für Fisch- und Makroaufnahmen.

Was genau meinst du, wenn du „für Fischaufnahmen“ sagst? Sprichst du dann von Nahaufnahmen von Fischen?

Kommt darauf an. Mein absolutes Hauptobjektiv ist das 60mm Makro. Für alles, was mich nah heran lässt, liebe ich das 60mm. Ist das Motiv scheu und ängstlich, dann benutze ich das 105mm Makro. Das benutze ich auch, wenn ich Fotos mit Bokeh möchte. Das Bokeh des 105er ist besser als das Bokeh vom 60er. Aber ich nutze das 60mm oft auch dann, wenn andere das 105mm nehmen. Ich werde dann gefragt, warum ich nicht das 105er nehme. Häufig ist das Motiv dann zwar klein, aber schon fast ein Stillleben oder es ist nicht ängstlich und lässt mich nah heran. Ich gehe lieber näher ans Motiv heran und benutze das kürzere 60mm Objektiv, als weiter weg zu sein und das 105er zu verwenden. Das 105mm hat einen komfortablen Arbeitsabstand. Wenn ich also denke, dass ich nicht nah genug an das Motiv herankomme, wenn ich also das Gefühl habe, ich könnte etwas beschädigen (z.B. Korallen, Anm. des Autors) oder wenn das Motiv sehr schüchtern oder ängstlich ist, beispielsweise ein Blenny oder eine Grundel, dann ist das 105mm meine erste Wahl. Auch bei Weichkorallen nutze ich das 105mm, um einen guten Arbeitsabstand zum Motiv zu haben. Aber wenn ich weiß, dass ich mich auf den Sand legen und mir die kleinen Motive herauspicken kann, bin ich mit dem 60mm sehr gut bedient. An Orten wie Lambeh oder Sulawesi in Indonesien mit schwarzem Sand auf dem sich die kleinen Tiere befinden, lege ich mich auch gerne einfach auf den Grund und nutze das 60mm. So habe ich den größtmöglichen Bildwinkel.

Neue Kameras kommen mit umfangreichen Video-Funktionen. Wie wichtig ist dir Video im Vergleich zu Foto und wie wichtig wird es in der Zukunft?

Ich habe viel Spaß mit der Videofunktion meiner D7000 und nutze Filme auch für die Ausbildung, indem ich zeige, was die Leute gut gemacht haben. Ich zeige nicht gerne, was die Leute schlecht machen. Ich versuche sie eher dabei zu filmen, wenn ihnen etwas Tolles gelingt, wenn sie z.B. besonders rücksichtsvoll mit den Korallen umgehen oder wenn sie versuchen, eine besonders gute Aufnahmeposition einzunehmen. Für mich als Lehrer – und in erster Linie bin ich Lehrer – ist die Videofunktion hervorragend. Manchmal versuche ich eine bestimmte Situation festzuhalten. Im Januar waren wir beispielsweise in Djibuti, Afrika um Walhaie zu fotografieren. Ich finde es beeindruckend, wenn ich die Walhaie filmen und am Abend gleich entsprechendes Bildmaterial zeigen kann. Man kann dann über die Höhepunkt des Tauchgangs sprechen und z.B. darüber, in welchen Winkeln sich Walhaie bewegen. Als Lehrer mag ich Video sehr. Aber wenn ich selbst fotografiere und ich schalte von Foto auf Video, dann finde ich es teilweise ablenkend. Wenn ich tauche, habe ich meistens eine konkrete Idee im Kopf – z.B. ein Motiv, was ich morgens gesehen habe und nachmittags fotografieren möchte. Sobald ich das Motiv fotografiert habe und fertig bin, mache ich manchmal noch ein Video von der Umgebung. Aber wenn ich versuche, beides zu tun, bin ich schnell abgelenkt.

 © Martin Edge
Und im Allgemeinen? Wie wichtig wird Video für Fotografen? Wird Fotografie sich zur Videografie hin verändern?

Meiner Meinung nach gibt es Fotografen, die eher unter Wasser filmen und solche, die lieber fotografieren. Ich kenne Leute, die aus der Fotografie kommen, dann aber großes Interesse und Leidenschaft für Videoaufnahmen entwickelt haben und dann in den Bereich Videografie gegangen sind. Und sie leben gut davon. So richtig möchte ich mich bei der Frage nicht festlegen. Es handelt sich um zwei verschiedene Dinge. Wenn man es kann, dann kann man beides machen. Wenn ich das jedoch während eines Tauchgangs probiere, dann lenkt es mich eher ab.

Galerie Martin Edge

Du gibst auch selber Workshops. Worauf konzentrierst du dich? Was willst du den Teilnehmern vermitteln?

Ich kam zur Unterwasserfotografie als ein ziemlich leidenschaftlicher Fotograf. Nach all den Jahren, dem Buch und dem Unterrichtenen bin ich nun auch sehr begeisterte vom Lehren. In meinen Workshops versuche ich jedermanns Fotografie auf individueller Basis weiterzuentwickeln. In einem Workshop sind in der Regel sowohl Anfänger als auch erfahrene und bekannte Fotografen. Alle zusammen unterrichte ich als Gruppe, aber trotzdem ist es mir wichtig, auf individueller Basis mit jedem Einzelnen an seinen persönlichen Zielen zu arbeiten. Ich versuche jeden weiterzubringen und allen neue Ideen mitzugeben. Mit den Anfängern spreche ich über die Grundlagen, den erfahrenen Fotografen zeige ich die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen.

Das Buch, was ich geschrieben habe, ist sehr verbreitet und erfolgreich und ich bin sehr stolz darauf. Aber es sind diese Workshops mit Leuten und meine Chance, die Teilnehmer vorwärts zu bringen, die diese Arbeit als Lehrer für mich so lohnenswert macht.

Also prüfst du das Können jedes Fotografen und findest heraus, was genau jeder im Einzelnen braucht, anstelle ein bestimmtes Thema zu unterrichten?

Genau. Wenn wir einen Tageskurs machen, der ungefähr über acht Stunden geht, dann gibt es Sachen, die jedem helfen. Auch Leute, die schon sehr gut fotografieren, lernen noch Dinge, die sie bisher vielleicht noch nicht kannten. Ich bekomme immer wieder gesagt, dass die Teilnehmer vorher nicht verstehen, dass sie nicht von alleine auf die Dinge gekommen sind, die ich Ihnen gezeigt habe. Das sind genau die Kleinigkeiten, die den Unterschied zwischen einer durchschnittlichen oder sehr guten Aufnahme machen.


Die 5 wichtigsten Dinge, über die man sich VOR einem Fototauchgang Gedanken machen sollte!

  1. Überlege dir vorher, welche Motive der Tauchplatz hergibt. Ist die See sehr ruhig und flach, dann gibt es die Möglichkeit für Aufnahmen, bei denen die Kamera nur zur Hälfte im Wasser ist, sogenannte Splits. Wenn die See besonders rauh ist und Wellengang herrscht, lässt sich die Brandung fotografieren. Daher ist es wichtig, das fotografische Potential im Vorfeld zu bestimmen.
  2. Wähle deine Ausrüstung in Abhängigkeit von dem, was du am Tauchplatz erwartest zu fotografieren. Wenn das Riff beispielsweise bekannt für seine Makromotive ist, solltest du nicht mit einem Weitwinkelobjektiv ins Wasser gehen.
  3. Nimm dir Zeit für die Suche von guten Motiven. Welche Motive könnten gute Bilder ergeben und über welche sollte man einfach hinwegtauchen?
  4. Wie viel Zeit willst du an den Motiven investieren? Machst du 5 Bilder oder vielleicht doch lieber 10? Ist das Motiv besonders einzigartig oder besteht vielleicht doch die Möglichkeit, noch etwas besseres zu finden?
  5. Ärgere dich nicht, wenn Bilder mal nicht so aussehen, wie du es dir vorgestellt hast. Auch Profis machen schlechte Bilder. Man bekommt sie nur nicht so sehen. Manchmal zeige ich auf Workshops schlechte Bilder von mir, damit die Teilnehmer sehen, dass auch ich Fehler mache.

© Martin Edge
Auf deiner Webseite steht, dass Landschaftsfotografie dein Hobby ist. Fühlst du dich privilegiert – als Unterwasser- und Landschaftsfotograf – dass du in einem Land mit 11.000 Meilen Küste und schönen Landschaften wohnst?

Ja. Wir leben nahe am Meer, an der Südküste von Dorset. Hier haben wir einige wirklich einmalige Motive für Landschaftsfotografen. Und ich liebe es, das Licht zu fotografieren. Bei meinen Unterwasseraufnahmen war und ist mir das natürliche Licht immer besonders wichtig. Ich habe das Licht immer geliebt. Das hat sich jetzt auch auf das Licht an Land übertragen – der frühe Morgen, der Sonnenuntergang. Dorset ist ein großartiger Ort, um Landschaftsfotografie zu üben. Und ja, es ist ein neues Hobby. Ich lerne und ich entdecke neue Dinge. Ich stelle mir Fragen, was passieren könnte, wenn ich dieses oder jenes tue. Das erinnert auch ein bisschen an die Zeit, als ich mit dem Fotografieren angefangen habe. Allerdings will ich Landschaftsfotografie nicht unterrichten. Es ist ein Hobby und zum jetzigen Zeitpunkt habe ich kein Interresse auf die Lehrer-Seite wechseln.

Könntest du dir vorstellen, eines Tages Land-Fotografie für Unterwasserfotografen zu unterrichten?

Bei meinen Workshops in Malaysia oder Bali beispielsweise, bei denen wir von einer Tauchbasis an Land starten (Im Gegensatz zu Tauchsafaris, bei denen die Teilnehmer den gesamten Workshop auf einem Boot verbringen. Anm.), helfe ich den Teilnehmern selbstverständlich mit ihrer Ausrüstung und ihre Kameraeinstellungen. Genaugenommen unterrichte ich also tatsächlich auch an Land. In der Heimat bleibt die Landschaftsfotografie allerdings einfach nur mein Hobby.

© Martin Edge
Du bist zwar ein weltbekannter Fotograf mit viel Erfahrung. Siehst du dich dennoch manchmal mit Problemen konfrontiert? Lernst du noch dazu?

Ich lerne ununterbrochen – vor allem von meinen Kursteilnehmern.  Manchmal machen sie Dinge ohne groß nachzudenken, die sich als hervorragende Ideen herausstellen. Aber natürlich lerne ich auch aus Fehlern.

Kannst du uns einige Fotografen nennen, die dich in deiner Arbeit inspiriert haben oder es immernoch tun?

Da wären David Doubilet, Cathy Church und Chris Nubert zu nennen. Auch Keri Wilk aus Kanada macht einige atemberaubende Aufnahmen. Insgesamt halte ich zur Zeit jedoch meinen Freund Alex Mustard für den besten Fotografen.

Hast du ein paar Tips oder Weisheiten, die du angehenden Fotografen mitgeben möchtest?

Eine grundlegende Weisheit ist: Ärgere dich nicht, wenn du mal schlechte Aufnahmen machst. Wir alle erwischen mal einen schlechten Tag. Wenn du Probleme hast, such dir Hilfe, besuche einen Workshop. Kauf mein Buch!

Martin, danke für das Interview.


4th Edition "The Underwater Photographer" CoverDas Buch “The Underwater Photographer” ist seit seiner ersten Auflage von 1996 für viele die Bibel der Unterwasserfotografie. Seitdem hat sich die Welt der Fotografie verändert. Die digitale (R)Evolution hat viel verändert. Vor allem wurde der Zugang zur Fotografie im Allgemeinen und zur Unterwasserfotografie im Besonderen immens erleichtert. Obwohl sich die technischen Möglichkeiten stark gewandelt haben, gelten einige Aspekte und grundlegende Prinzipien der Fotografie auch weiterhin. In „The Underwater Photographer“ erforscht Martin Edge eine Reihe unterschiedlicher Aspekte der Unterwasserfotografie. Angefangen bei den Grundlagen, Ausrüstung, Blitz und Beleuchtung bis hin zur Frage, wie man einen eigenen Stil als Unterwasserfotograf entwickeln kann. Als echter Profi scheut sich Martin nicht, mit anderen Größen der Unterwasserfotografie zusammenzuarbeiten. So haben mit Alex Mustard, Shannon Conway und Keri Wilk weitere bekannte Unterwasserfotografen wertvolle Kapitel zum Buch beigetragen. Lange Zeit war das Buch ausschließlich in englischer Sprache erhältlich. Für 2012 ist nun auch eine deutsche Version angekündigt.

Seiten: 1 2

Category : interview

6 Responses to “„You’ve got to be in photo-mode“ – Unterwasserfotograf Martin Edge im Interview”

  1. Rewolve44 says:

    Ich bin begeistert von dem Interview und den Fotos, eine tolle Sache.

    Lg,
    Rewolve44

  2. Holger Reich says:

    Ein ausgesprochen langer Text, aber durchaus lesenswert. Man bekommt fast Lust, auch mal die Kamera mit in die Wanne zu nehmen ;-)Leider ist sie nur spritzwassergeschützt! Aber wer weiß, vllt gibt es ja mal die Gelegenheit zu einem Schnuppertauchknipskurs
    lg von der Wupper

    Holger Reich, Der Wupperfotograf (hat ja auch was mit Wasser zu tun)

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