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Praxistest Carry Speed Kameragurt

Erstellt am 31. Oktober 2012 von 1 Kommentar

Da ich oft mit der Kamera unterwegs bin und der ihr mitgelieferte Gurt unbequem und unhandlich sein kann, habe ich nach einem bequemen Kameragurt gesucht, den ich fürs Fotografieren aus der Hand und Aufnahmen vom Stativ gleichermaßen verwenden kann. Bei Spaziergängen hat sich gezeigt, dass ich typischerweise in beide Situationen komme. Daher habe ich mir im Internet und auf der Photokina verschiedene Gurte angesehen. Darunter den Sun Sniper und den Blackrapid R-Strap. Beide sind sich darin ähnlich, dass sie aus einem quer über den Oberkörper verlaufendem Gurt bestehen, an welchem die Kamera beweglich befestigt ist und auf Hüfthöhe getragen wird. Mein näheres Interesse galt schließlich einem dritten Gurt im Bunde, dem Carry Speed CS Pro MKII. Dieser Kameragurt lässt sich mit Stativen verwenden und ist explizit auf diese Verwendung ausgelegt. Darin unterscheidet er sich von den anderen Systemen. Und das funktioniert so: Der CS Pro MKII kommt mit einer stabilen Metallplatte, die über das Stativgewinde am Body befestigt wird. Die Verbindung zwischen Kamera und Gurt findet über ein in die Metallplatte eingeschraubtes Verbindungsstück statt.

Produktbilder

Ausgepackt

Schauen wir uns den Gurt einfach mal an. Die Verpackung enthält ein Schulterpolster aus Neopren. Dieses ist weich und dehnbar, 8,5 cm breit und mit Löchern zur Belüftung versehen. Der Gurt selbst ist aus robustem Nylon und wird mittels Plastikclips am Schulterpolster befestigt. Mit Plastikclips habe ich schon schlechte Erfahrungen gemacht; diese hier machen jedoch einen robusten Eindruck. Die Clips sind zusätzlich gegen versehentliches Öffnen gesichert. Sie lassen sich nur mit zwei Händen öffnen. Die passende Länge des Gurtes wird mittels einer beweglichen Schnalle eingestellt. Die Platte und das Verbindungsstück sind beide massiv und machen einen belastbaren und soliden Eindruck.

Im Lieferumfang enthalten sind außerdem ein Band mit einer Befestigungsschraube, eine Handschlaufe und ein kleiner Gurt mit einem Karabiner. Die Funktion der Handschlaufe erklärt sich von selbst. Der Gurt mit Karabinerhaken kommt zum Einsatz, wenn man ein schweres Teleobjektiv an der Kamera verwendet. Der kleine, zusätzliche Gurt wird an der Kamera befestigt und mittels Karabiner in den Hauptgurt eingehakt. Der Hauptgurt wird an der Stativschelle des Objektivs befestigt. So lässt sich der Gurt auch mit unhandlichen Kamera-Objektiv-Kombinationen verwenden.

Soweit die Produktbeschreibung. Sieht alles gut aus. Aber taugt der Gurt auch was?

Befestigung – Problem mit der D800

Problem mit der D800. Wie man sieht, liegen die Befestigungen für das Verbindungsstück auf dem Kamerabody auf. Dadurch steht die Platte von der Kamera ab.Mit der Befestigung gibt es allerdings schon ein Problem! Die Platte lässt sich an der D800 nicht wie auf der Webseite beschrieben montieren. Wenn die Öffnungen für das Verbindungsstück zum Objektiv zeigen, ragen sie nicht über den Body hinaus. Dadurch liegt die Platte auf dem Body auf und steht ab. Das Problem lässt sich dadurch lösen, dass die Löcher für den Gurt einfach in Richtung Display weisen. Trotzdem: Einen Hinweis darauf gibt es weder auf der Webseite, noch innerhalb der Verpackung. Denn die Verwendung ist so nicht wie gedacht möglich. Die Überwurfmutter der Gelenkkupplung zu schließen, finde ich ebenfalls etwas fummelig.

Ist der Gurt an der Kamera befestigt, geht alles ganz leicht. Der Gurt wird schräg über den Körper getragen. Die Größe lässt sich auf der Vorder- und Rückseite leicht und schnell einstellen. Dabei wird die grundlegende Länge über die Schnalle auf dem Rücken eingestellt, und über die bewegliche Schließe wird der Gurt dann auf die Länge eingestellt, die beim Tragen gewünscht ist. Mit dieser Schnalle kann der Gurt auch wieder verlängert werden, wodurch man ihn bequemer an- und ausziehen kann. Hört sich alles komplizierter an als es ist. Tatsächlich ist die Größenanpassung mühelos und zügig erledigt.

Nutzung mit Stativ

Gurt mit Kamera und 5 x 6 cm großer Schnellwechselplatte. Durch die Platzierung der Befestigungsmöglichkeit an den äußeren Ecken kommen sich Kugelkopf und Gurt nicht in die Quere.Um die Nutzung auf dem Stativ zu erleichtern, sollten Sie eine Schnellwechselplatte verwenden. Ein Einbeinstativ lässt sich ja noch relativ leicht direkt in die Platte des CS Pro schrauben, aber mit einem Dreibein samt Kopf kann das dann schon etwas umständlicher werden. Ich selbst habe zwei Schnellwechselplatten benutzt, eine 4×5 cm, die andere 5×6 cm. Mit beiden gab es keinerlei Platzprobleme. Allerdings können hier natürlich mit anderen Köpfen Einschränkungen auftreten, wenn sich zum Beispiel der Gurt oder das Verbindungsstück über oder vor Einstellrädchen am Kopf befinden und so den Zugang dazu einschränken.

... geht mit Gurt nicht mehr! Die Schraube am Kopf kommt sich hier mit der Überwurfmutter in die Quere. Das Ergebnis ist ein Verkanten.Konkretes Beispiel: Wird die Kamera direkt auf den Kugelkopf Magic Ball von Novoflex geschraubt und ist der Gurt befestigt, lässt sich der Kopf nicht an die Platte schrauben. Der Grund dafür wird im Bild deutlich – das Rädchen am Kopf kommt sich mit der Überwurfmutter in die Quere. Allerdings sollten Sie dabei beachten, dass ein Gurt natürlich nicht für alle Eventualitäten ausgelegt sein kann. In erster Linie ist der Gurt dazu gedacht, die Kamera bequem am Köper zu tragen und Bilder aus der Hand zu machen.


Gut

  • Kann rechts oder links getragen werden
  • Handschlaufe und Befestigungsclip für Teleobjektive inkl.
  • Plastikclips sind doppelt gesichert
  • bequemes Neopren-Polster für die Schulter
  • selbst größere Schnellwechselplatten können befestigt werden

Nicht so gut

  • Platte kann an der D800 nicht wie gedacht befestigt werden
  • Kamera kann nicht einfach abgestellt werden, weil der Pin in der Platte fest steckt
  • Kameragurt betont unvorteilhafte Körperrundungen 😉

 
Fazit: Qualitativ kann der Carry Speed CS Pro überzeugen. Der Tragekomfort ist auf mehrstündigen Spaziergängen selbst mit einer schweren DSLR und 70-300 Telezoom gewährleistet. Die unterschiedliche Verwendung für das Fotografieren aus der Hand und mit Stativ ist mit einer entsprechenden Schnellwechselplatte ohne Probleme möglich. Einschränkungen mit bestimmten Ausrüstungsgegenständen können natürlich nicht vermieden werden. Negativ aufgefallen ist allerdings die Befestigung an der D800, zumal der CS Pro MKII speziell für Profi-DSLR ausgelegt ist. Wer als Fotograf einen bequemen Kameragurt für längere Fototouren sucht, der ist mit dem solide verarbeiteten CS Pro MKII von Carry Speed gut bedient, sollte aber vor dem Kauf testen, ob seine Kamera problemlos mit dem Gurtsystem funktioniert.

 

Category : ausprobiert

One Response to “Praxistest Carry Speed Kameragurt”

  1. Der Tragekomfort des Gurtes ist in der Tat gut. Nur ist er meiner Meinung nach nicht für den täglichen Einsatz geeignet. Ich habe den Gurt seit ca. 14 Monaten. Er ist seit ich ihn gekauft habe an meiner 5D MKIII. Vor 2 Wochen auf einer Hochzeit ist es dann passiert.
    5D MKIII mit 70-200 2.8L und Speedlite 580 EXII am Gurt befestigt.
    Die Kamera hing am Gurt und ich wechselte die Position plötzlich fällt die Kamera auf den Boden!
    Was ist passiert???
    Der Kugelkopf an der Kameraplatte und die Halterung habe sich so stark abgenutzt das kein Halt mehr gegeben war! Die Kamera hat jetzt schrammen und das Gehäuse des Blitzes hat es gekostet! DANKE
    Wie kann man so einen Gurt herstellen und weiches Material verwenden für die Befestigung!

    Die Aussage Pro sollte man eher in Hobby ändern und für Gelegentliche Nutzung mag der Gurt ausreichen. Ich halte Abstand von dem Gurt und werde mich keinen mehr zulegen.

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