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Objektive für die Porträtfotografie

Erstellt am 20. Dezember 2012 von 0 Kommentare

Welche Objektive eignen sich für die Portraitfotografie?

Bei der Portraitfotografie gelten etwas andere Regeln. Sind Auflösung und Verzeichnungsfreiheit bei anderen fotografischen Sujets bevorzugte Eigenschaften, ist bei Portraitaufnahmen eher eine dezente Unschärfe vorteilhaft. Im Gegensatz zur Architektur, zeigen Gesichter wenig gerade Linien. Abbildungsfehler, wie tonnen- oder kissenförmige Verzeichnung, fallen beim Portraitfoto daher weniger auf. Trotzdem ist ein Weitwinkelobjektiv keine gute Wahl für die Portraitfotografie – es sei denn, Sie wollen Portraits im Stil von Loriots Knollennasenmännchen produzieren. Diese Art der Verzerrung ist allerdings kein Fehler des Objektivs.

Warum sind Weitwinkelobjektive bei Portraitaufnahmen ungünstig?

Die sogenannte Weitwinkelperspektive wird dadurch hervorgerufen, dass der scheinbare Größenunterschied zweier unterschiedlich weit von Ihrem Auge entfernter Gegenstände umso größer wird, je näher Sie an diese Objekte herantreten. Dies ist eine physikalische Gesetzmäßigkeit, die allein auf der Geometrie des Strahlengangs beruht, und hat nichts mit Objektiven und Abbildungsfehlern zu tun. Um ein natürlich wirkendes Portrait aufnehmen zu können, müssen Sie sich daher weit genug vom Gesicht entfernen, das Sie fotografieren wollen.

Je größer der Abstand zum Objekt wird, umso kleiner erscheint es aber auf dem Bild – solange Sie nicht auch eine größere Brennweite wählen. Die Brennweite des Objektivs verändert nicht die Perspektive, sondern stellt nur die Vergrößerung ein. Dies können Sie feststellen, wenn Sie die gemeinsamen Ausschnitte zweier Bilder vergleichen, die mit unterschiedlichen Brennweiten, aus derselben Entfernung zum Objekt aufgenommen wurden. Bis auf die unterschiedlichen Abbildungsfehler, sind solche Aufnahmen identisch. Was heißt das nun für die Portraitfotografie?

Das optimale Portraitobjektiv

Bei einer Portraitaufnahme sollte das fotografierte Gesicht das Bild mehr oder weniger vollständig ausfüllen. Zusammen mit dem für eine natürliche Perspektive notwendigen Mindestabstand, zeichnet diese Bedingung das leichte Teleobjektiv mit 85 Millimetern Brennweite im 35-mm-Format als optimales Portraitobjektiv aus. Diese Brennweite können Sie natürlich auch an einem entsprechenden Zoom-Objektiv einstellen, trotzdem besitzt eine Festbrennweite Vorteile bei der Portraitfotografie.

Die Bedeutung der Lichtstärke für die Portraitfotografie

Ein Vorteil der Festbrennweite ist die größere Lichtstärke, die mit solchen Objektiven möglich ist. Sie werden sich vielleicht fragen, warum die Lichtstärke bei der Portraitaufnahme vorteilhaft sein soll, aber sie ist nicht nur für Nachtaufnahmen interessant. Die Lichtstärke bezeichnet die größte Blendenöffnung eines Objektivs und je größer die Blendenöffnung ist, umso geringer wird die Schärfentiefe, die räumliche Ausdehnung des Bereichs, der auf dem Foto scharf erscheint. Gerade bei Portraitaufnahmen lässt sich die Bildwirkung durch eine gezielte Einstellung der Schärfentiefe sehr stark beeinflussen. Im Extremfall erscheint vielleicht nur ein Auge gestochen scharf und der Rest des Gesichts wird durch eine zum Hintergrund zunehmende Unschärfe geglättet.

Bei großen Blenden nimmt aber auch ganz allgemein die Schärfe des Objektivs ab. Das Bild wird weicher und dieser Effekt ist gerade bei Portraitaufnahmen erwünscht. Eine Alternative wäre das Rodenstock Imagon Weichzeichnerobjektiv für 6×6 Mittelformatkameras – falls Sie es bei einem Antiquitätenhändler entdecken – oder ein Weichzeichnervorsatz für Ihr Objektiv.

Michael Omori Kirchner lebt und arbeitet in Heidelberg als selbständiger Fotograf im Bereich People und Werbung. Zu seinen Kunden zählen Sony, Nike, SAP oder Siemens, veröffentlicht wurden sein Fotos in namhaften Publikationen, unter anderem im Stern, dem Focus, Cosmopolitan und FAZ. Auf seiner Webseite omori.de können Sie sich einen Eindruck von seinen Arbeiten verschaffen.

Category : ratgeber

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