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Im Gespräch mit Martin Hülle

Erstellt am 23. Januar 2013 von 0 Kommentare

Bitte erzähle uns in ein paar Sätzen etwas über Dich.

Mein Name ist Martin Hülle und ich bin ein Fotograf, Autor und Polarabenteurer aus Wuppertal. Ich liebe die abgeschiedenen Regionen des hohen Nordens – in Skandinavien, Island, Schottland und Grönland. Seit mehr als 20 Jahren durchstreife ich Berglandschaften und Gletscherwelten im Sommer wie im Winter.

Meine Leidenschaft ist die Reise-, Landschafts- und Outdoorfotografie. Mit dem Fokus auf der Natur, aber ebenso einem Auge auf den Menschen, Stillleben und allem kuriosen vor der Kamera. Ich möchte die Welt entdecken. In weiter Ferne und direkt vor der eigenen Haustüre. Ich möchte Geschichten erzählen. Die Fotografie und das Schreiben sind eine Lebensart, eine Möglichkeit Gefühle einzufangen, auszudrücken und mit anderen zu teilen.

martin-huelle-interview01Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Über meinen Vater. Er fotografiert seit frühen Jahren und so kam auch ich schon als Kind mit der Fotografie, der analogen Dunkelkammerarbeit im Badezimmer und aller möglichen Fotoausrüstung in Kontakt. 1988 habe ich mir dann mit 14 Jahren vom Konfirmationsgeld eine eigene Spiegelreflex gekauft. Die Nikon F-501. In der Schule besuchte ich die Foto-AG, knipste alles mögliche und ein paar Jahre später unternahm ich meine erste selbständige Outdoortour, worüber sogleich ein Bericht in einem Reisemagazin erschien. Die Sache nahm ihren Lauf und seitdem ist Fotografie und Reisen bei mir untrennbar verbunden.

Was kommt bei Dir an erster Stelle? Bist Du ein Fotograf, der Extrem-Touren auf sich nimmt, um einzigartige Bilder zu schießen? Oder bist Du ein Abenteurer, der seine Erlebnisse mit einer Kamera festhält?

Tja, das ist oft nicht genau zu sagen oder zu trennen. Wenn ich eine Expedition wie die Überquerung des grönländischen Inlandeises unternehme, dann steht das Abenteuer im Vordergrund, das Erreichen der gesteckten Ziele. Aber genauso will und muss ich das Erlebnis in möglichst einzigartigen Bildern festhalten, schließlich lebe ich vom Verkauf der Geschichten und da reicht es nicht, einfach nur „Erinnerungsfotos“ zu machen. Auf Tour denke ich also laufend daran, wie ich das Unterwegssein, die Landschaft, das Erlebte optimal in Fotos einfangen kann. Genauso gibt es aber auch Reisen, wo diese nur Mittel zum Zweck sind, um zu interessanten und aussergewöhnlichen Bildern zu kommen. Da überwiegt dann das Diktat der Fotografie über die pure Abenteuerlust.

martin-huelle-interview04 © Martin HülleWie kamst Du dazu, „Extrem-Fotograf“ zu werden?

Ach wie das klingt … Extrem sind ja nur ab und an die Umstände und Witterrungsverhältnisse, unter denen ich fotografiere. Bei Kälte und Schneesturm oder nass bis auf die Haut. Nun, es hat sich über die Zeit so ergeben. Meine Wander- und Skitouren wurden im Laufe der Jahre schwieriger – „extremer“ – und so auch die Tätigkeit als Fotograf. Ich bin nicht ins kalte Wasser gesprungen, sondern habe mich rangetastet an das ewige Eis, Minusgrade und menschenleere Gebiete.

Was ist es, das die Faszination an dieser Art von Fotografie ausmacht?

Vor Ort ist das oft gar nicht so faszinierend. Wer fotografiert schon gerne mit klammen Händen oder läuft im Schneesturm ums Zelt, während alle anderen schon in ihren warmen Schlafsäcken liegen? Aber es ist ein Ansporn, auch diese Situationen einzufangen. Und wenn am Ende eine runde Geschichte dabei herauskommt, die Bilder bei den Betrachtern ein Gefühl für die Bedingungen vor Ort auslösen, dann ist das ein befriedigender Lohn der Mühen.

Möchtest Du andere von den Landschaften und der Einsamkeit begeistern?

Natürlich. Und es ist schön, wenn ich viele Menschen über meine Bilder „mitnehmen“ kann in diese Einsamkeiten und sie so ein Stück teilhaben an meinen Erlebnissen.

martin-huelle-interview05Du bietest auch geführte Touren an. Was muss man da körperlich mitbringen? Sicherlich kann ja nicht jeder „Couchpotato“ mehrere Tage am Stück in Schnee und Eis verbringen, oder?

Stimmt, für das Reiseunternehmen Wüstenwandern arbeite ich auch als Guide und führe Abenteuerlustige hinein in die Eiswüste, diese Welt aus Stille und Schnee. Mitte März geht es nach Island, wo wir mit einer kleinen Gruppe das innere Hochland der Insel und Europas größten Gletscher, den Vatnajökull, auf Ski und mit Pulka-Schlitten im Schlepptau überqueren wollen. Eine sehr anspruchsvolle Tour, die nur mitmachen kann, wer bereits über Outdoorerfahrung verfügt und eine entsprechend gute Kondition hat. Es ist eine körperliche wie mentale Herausforderung in einer Umgebung, die keine Fehler verzeiht. Da sollten alle genau wissen, worauf sie sich einlassen. Dafür ist das Erlebnis intensiv und unmittelbar. Man muss etwas geben, um etwas zu bekommen.

martin-huelle-interview03Wie bereitest Du dich auf die Touren vor? Wie kommst Du auf die Touren, hast Du die schon gemacht?

Auf Touren, die ich allein oder mit Freunden unternehme, stoße ich über Bücher, Zeitschriftenartikel, das Internet, Bilder. Daraus entwickeln sich Ideen. Manche setze ich irgendwann um, andere nicht. Dort, wo ich als Guide unterwegs bin, war ich natürlich vorher schon. Im besten Fall kenne ich die Strecke genau, zumindest aber Teile und kann den Rest gut einschätzen.

Die Vorbereitung ist vielfältig und kann im Falle einer größeren Expedition Monate dauern. Dazu gehört Recherche, Planung der An- und Abreise, Logistik, Zusammenstellung der Ausrüstung, Finanzierung, usw. Und natürlich Training. Eine gute Fitness ist wichtig. Zwar ist der Kopf der stärkste Muskel, aber er allein reicht auch nicht immer aus. Um einen schweren Schlitten durch den Schnee zu ziehen, bedarf es Kraft und Ausdauer. Und je besser die Kondition, desto größer ist der Spaß.

Wie nutzt Du das Internet und Social Networks für Dich und in Deinem Beruf?

Ich bin im Netz sehr präsent. Neben meiner regulären Website ist es vor allem mein Blog, in dem ich Bilder meiner Touren, Abenteuer und Reisen zeige und Geschichten erzähle. Und darüber hinaus auch Tipps zur Fotografie und meiner Ausrüstung weitergebe. Dazu Twitter und Facebook, zusätzliche Kanäle zur Verbreitung und Interaktion mit Freunden und „Fans“. Austausch ist mir wichtig und macht mir Freude. Zudem werden so Sponsoringpartner und potenzielle Abnehmer von Bildern und Texten auf mich und meine Arbeit aufmerksam und sehen, was ich tue.

martin-huelle-interview06Welche Ausrüstung benutzt Du?

Fotografisch bin ich mittlerweile beim X-System von Fujifilm gelandet. Das DSLR-Geraffel ist mir über die Jahre zu schwer und zu voluminös geworden – auf die Buckelei hatte ich keine Lust mehr. Die X-Pro1 und X-E1 hingegen bieten mir in einem kleineren und kompakteren Gehäuse eine Bildqualität, für die ich zuvor zum Vollformatboliden greifen musste. In diesen Fujifilm-Kameras steckt für mich die Konzentration auf das Wesentliche.

Und welche besondere Ausrüstung brauchst Du ansonsten unter den extremen Bedingungen?

Ein sturmstabiles Zelt, einen warmen Schlafsack, Benzinkocher, ausreichend Lebensmittel. Bekleidung für alle Eventualitäten. Von abgezählten Unterhosen bis hin zur dicken Daunenjacke. Kompass, GPS, je nach Tour Satellitentelefon und Notsender. Im Winter oder auf Gletschern natürlich die Ski, um in Schnee und Eis überhaupt voranzukommen.

Welche Tipps und Empfehlungen für das Fotografieren im Winter hast Du für unsere Leser?

Ui, ich zitiere mich mal selbst: „Eine Winterlandschaft korrekt belichtet zu verewigen, ist schwieriger, als Palmen am Strand aufzunehmen.“ Und in aller Kürze würde ich hier mit Tipps und Empfehlungen nur an der Oberfläche kratzen, daher möchte ich an dieser Stelle auf einen Artikel im Fotografie Magazin kwerfeldein verweisen, den ich dort genau zu diesem Thema vor längerer Zeit veröffentlicht habe, der aber nichts an Aktualität verloren hat.

Was machst Du sonst, wenn Du nicht fotografierst oder unterwegs bist?

Erstmal all das, was Zuhause erledigt werden muss: Bildbearbeitung, Artikel schreiben, Reiseplanung, Akquise, Tageswanderungen vor der Haustüre und solche Sachen … Aber auch mit meiner Tochter Memory spielen, Tatort gucken oder einfach bei guter Musik und einem Bildband in den Händen abschweifen, träumen und auf neue Ideen kommen … Der ganz normale Wahnsinn eben 😉

Martin, vielen Dank für das Interview!

Mehr über Martin Hülle können Sie auf seiner Webseite www.martin-huelle.de erfahren!

Category : interview

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